Jagderlebnisse

Mail vom 18.04.2011

Heute Morgen rief dann unser Mitpächter an, dass er gestern Abend eine allein ziehende Sau beschossen habe. Er schätzte sie (den „Überläufer“) auf 30-35 Kg, sie habe aber nicht gezeichnet und er gehe davon aus, dass er gefehlt habe. Er sei auf einer ärztlichen Fortbildung und könne leider nicht selber an einer Nachsuche teilnehmen. Ob wir das übernehmen könnten? „Hochbegeistert“ nahmen Jenny, Theo und ich die Nachsuche in Angriff, Thomas gesellte sich nach einem erfolglosen Morgenansitz zu uns.

Mit einiger Mühe fanden wir den beschriebenen  Anschuß.  Es fand sich nur ganz wenig Schnitthaar, kein für uns sichtbarer Schweiß, aber Theo nahm die Fährte gut an. Mein Freund mit dem HS war leider schon auf einer anderen Nachsuche, so dass wir uns entschlossen, es zu probieren. Vom Anschuß weg zog die Sau durch kleine Schwarzdorn-Verhaue in den Hochwald. Beim Überwinden eines umgefallenen Baumes fanden wir ein kleines Stückchen Knochen und ein wenig abgestreiften Schweiß.  Jetzt sah alles nach einem Laufschuß aus.

Da wir zu dritt waren, beschlossen wir, die Nachsuche innerhalb unseres Reviers fortzusetzten, aber bei einem etwaigem „Grenzübertritt“ einen bestätigten Nachsuchenführer zu verständigen. Nach den bisherigen Erfahrungen mit Theo und Sauen hatten wir bereits die Weste angelegt.

Die Sau zog mittlerweile ungefähr in Richtung eines uns bekannten Wechsels auf einen Dickungskomplex zu. Theo wurde immer schneller und lag nun sehr stark im Riemen. Da sich in diesem Dickungskomplex bereits bei unserer 1. Kleinen Drückjagd die Sauen gesteckt hatten, beschlossen wir, dass Jenny und Thomas die Dickung unter dem Wind umschlagen und sich vorstellen sollten, während  Theo und ich auf der Wundfährte in den Komplex eindrangen. Wegen der Grenznähe war das unsere einzige und letzte Chance, der Sau in unserem Revier Herr zu werden.

Theo zog mittlerweile heftig und ich war auch bereits auf allen vieren und hatte „Maggigeruch“ in der Nase. Riemenarbeit war nicht mehr zu machen, also schnallte ich den Hund und nahm das Gewehr zur Hand. Nach „gefühlten“ Sekunden gab Theo Laut, nach weiteren Sekunden war er an der Sau und die Keilerei  mit Standlaut ging los. Ich versuchte mich vorzuarbeiten, aber die Dornen waren nahezu undurchdringlich, ich kam nur sehr langsam vorwärts. Dann konnte ich die beiden sehen, aber keinen Schuß antragen wegen der Dornen und weil Theo der Sau an den Tellern und am Haupt hing. Ich versuchte auf Schußentfernung heranzukommen, weil ich in diesem Dickicht keine Chance sah,  das Stück kalt abzufangen. Plötzlich gelang es der Sau, Theo abzuschütteln und etwas Vorsprung zu gewinnen. Sie rannte vor mir und Theo auf das entgegengesetzte Ende der Dickung zu, erreichte es vor Theo und während ich noch in den Dornen hing vernahm ich 2 Schüsse in unmittelbarer Nähe.

Noch während ich mich freikämpfte, konnte ich Theo am Stück vernehmen. Thomas hatte die Sau auf kurze Distanz gestreckt, am Dickichtrand, während Theo und ich noch im Dornenverhau waren.

Die Freude war natürlich groß (und der Stolz auf Theo).  Das „Keilerchen“ wog 48 Kg und hatte einen tiefen Hinterlaufschuß, der ihn aber kaum beeinträchtigte, wovon ich mich ja life überzeugen konnte ,im Busch. Theo hatte seinen Erfolg, und Thomas auch. Ein unvermuteter und anstrengender, aber schöner Jagdtag ging zu Ende. Und nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf schreibe ich Euch diese Zeilen.

 

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Saarland 011207
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Diesen Hirsch konnte ich am 12.08.2010 nahe einer Bundesstrasse erlegen. Er wäre in ein paar Tagen an den Folgen eines Verkehrsunfalls schmerzvoll verendet.

01.12.2007 im Saarland. Es ist manchmal von Vorteil, wenn man vor der Schussabgabe nicht alle Unwegsamkeiten kennt. Zum “Beute machen” gehört auch das Bergen des Wildes. Solche Jagderlebnisse vergisst man nie!